Dialäktatlas: Von Pulli bis Bibeli

Ein Pulli ist nicht immer ein Kleidungsstück: Die faszinierende Welt der Küken-Bezeichnungen in der Schweiz

Wer in der Schweiz von einem „Pulli“ spricht, meint nicht immer einen Pullover, sondern häufig ein Küken, das Jungtier des Huhns. Diese regionale Besonderheit zeigt, wie vielfältig und kreativ die schweizerdeutsche Sprache ist, insbesondere bei Tierbezeichnungen.

Die Herkunft der Küken-Namen

In der Deutschschweiz gibt es zahlreiche Begriffe für das Hühnerküken. Zwei Hauptgruppen lassen sich unterscheiden: Die eine leitet sich vom Wort „Huhn“ oder „Henne“ ab, etwa Hüendli, Hüeli, Henneli oder Hiendli. Diese Formen sind schon seit dem Mittelhochdeutschen belegt und werden durch die typisch schweizerdeutsche Verniedlichung mit -li oder -i gebildet. Auch das Wort „Pulli“ gehört dazu, das aus dem Französischen „poule“ (Huhn) stammt und durch das -li zum kleinen Huhn wird.

Die andere Gruppe umfasst lautmalerische Varianten, die den Piepslauten der Küken nachempfunden sind. Dazu zählen Bibeli, Bippeli, Piteli, Ziepeli oder Piipsi. Weitere regionale Varianten wie Hienkelt(i) (von Hinkel/Hühnchen) oder Füekli (vom Verb „fucken“ für schlüpfen) verdeutlichen die sprachliche Vielfalt.

Regionale Verteilung und Entwicklung

Die Dialektlandschaft der Schweiz ist bei den Küken-Bezeichnungen besonders bunt. Im Norden dominierten früher die Bibeli-Varianten, während im Mittelland und Süden Formen auf Huhn oder Henne verbreitet waren. Im Wallis und angrenzenden Gebieten existieren bis heute zahlreiche kleinräumige Varianten nebeneinander. Diese Vielfalt macht die Region zu einem Flickenteppich der Küken-Namen.

Im Laufe der Zeit haben sich die Bibeli-Varianten stark ausgebreitet und viele der traditionellen Hüendli-Formen verdrängt. Bemerkenswert ist, dass sich das ursprünglich norddeutsche „Küken“ inzwischen auch im Wallis etabliert hat. Dies zeigt, dass selbst in sprachlich konservativen Regionen neue Einflüsse aufgenommen werden, möglicherweise auch, um sich von den Bezeichnungen aus Bern oder Zürich abzugrenzen.

Quelle: https://dialektatlas.ch/