Ob einfaches Tuchbündel oder detailreiches Sammlerstück: Die Puppe gehört seit Jahrhunderten zum Spielalltag und spiegelt dabei stets die Gesellschaft ihrer Zeit.
Auch sprachlich hat sie in der Schweiz viele Gesichter.




Sprachlich betrachtet hat die Puppe in der Schweiz eine erstaunliche Vielfalt an Namen hervorgebracht. Im Schweizerdeutschen Wörterbuch finden sich Formen wie Bääbi, Baabe, Tocha, Titti, Poppe oder Mämmi. Diese Bezeichnungen erzählen eine kleine Kulturgeschichte, denn viele von ihnen gehen auf alte Wortstämme zurück.
So stammt Tocha vom althochdeutschen tocka, was ursprünglich ebenfalls Puppe bedeutete. Die Koseform Bääbi wiederum leitet sich vom Vornamen Barbara ab, der dank der heiligen Barbara über Jahrhunderte beliebt war. Wörter wie Mämmi oder Määgga sind eng mit der frühen Kindheit verbunden – sie stammen aus Ausdrücken für Säuglinge oder das Weinen eines Kindes.
Auch geografisch lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. In der Innerschweiz, rund um Solothurn und Basel, war früher vor allem Titti verbreitet. Im Osten der Schweiz sagte man mehrheitlich Baabe, während in Zürich und Bern das Bääbi dominierte. In Graubünden und im Glarnerland hiess die Puppe Poppe, und im Wallis war Tocha weit verbreitet. In kleineren Bergregionen kamen zusätzlich lokale Varianten wie Mämmi, Mousa oder Tunsch vor.
Mit der Zeit haben sich viele dieser Ausdrücke verändert oder abgeschwächt. In der älteren Generation lässt sich gut beobachten, wie sich das Bääbi von Bern und Zürich aus über weite Teile der Deutschschweiz ausgebreitet hat. Die jüngere Generation hingegen verwendet zunehmend das standardnahe Puppe, das ältere Dialektformen zurückdrängt. Trotzdem bleibt das Bääbi besonders im westlichen Sprachgebiet erhalten – und mit ihm ein Stück lebendige Mundarttradition.
Quelle: https://dialektatlas.ch/
