Dialäktatlas: Kater oder Maudi?

🐾 Der gestiefelte Maudi 🐾

In der Schweiz haben die Katzen eindeutig die Oberpfote. Mit fast zwei Millionen Büsi im Vergleich zu rund einer halben Million Hunden sind sie die mit Abstand beliebtesten Haustiere. Katzen faszinieren Menschen seit Jahrhunderten – unabhängig davon, ob sie im Garten auf Mäusejagd gehen, auf der Fensterbank dösen oder als Stubentiger den Alltag verschönern.

Während über Katzen allgemein viel bekannt ist, zeigt ein Blick in die Dialektlandschaft, dass die männliche Katze, also der Kater, sprachlich viele Gesichter hat. Im Schweizerdeutschen existiert eine Vielfalt an Bezeichnungen wie Maudi, Moudi, Rüel, Chüder, Bure, Rolli, Brock oder Manndli. Viele dieser Formen sind regional begrenzt und gehen auf alte Sprachgewohnheiten zurück, die heute nach und nach verschwinden.

Vom Maudi zum Kater

Die Herkunft dieser Varianten ist sprachhistorisch nicht immer eindeutig zu bestimmen. Einige leiten sich von Lautäusserungen der Katze ab, so wie Maudi oder Moudi vom Verb mudere, das „murren“ oder „schnurren“ bedeutet. Auch Bure hängt wohl mit einem Lautwort zusammen, das das Schnurren oder Brummen nachahmt. Der Chüder erinnert an das Verb chüdere, was so viel wie „halblaut klagen oder murren“ heisst. Andere Formen haben ihre Wurzeln im Althochdeutschen: Rolli könnte mit der Wurzel roll für „sich laut oder ungestüm bewegen“ zusammenhängen, während Rüel vom Verb rauwe stammt, das „heiser miauen“ oder „betteln“ bedeutet.

In älteren Sprachkarten des Schweizerdeutschen zeigt sich, dass der Maudi vor allem im westlichen Mittelland verbreitet war, während im östlichen Mittelland und in Teilen der Zentralschweiz eher die Form Rüel üblich war. In der Zentralschweiz hörte man daneben Bock oder Manndli, im Wallis ebenfalls Bock und Brock. In der Ostschweiz waren Maudi und Chüder verbreitet, im Kanton Freiburg Bure, während im Bündnerland sowie in der Nordwestschweiz eher Rolli gesagt wurde.

Sprachwandel und kulturelle Spuren

Wie so oft in der Dialektgeschichte haben sich viele dieser Varianten über die Zeit verändert oder sind ganz verschwunden. Heute wird fast überall das standarddeutsche Wort Kater verwendet, besonders in jüngeren Generationen. Nur vereinzelt überleben ältere Formen, etwa Maudi im Kanton Bern oder Bure im Kanton Freiburg. Der Rolli kommt fast gar nicht mehr vor.

Diese Entwicklung lässt sich auch in der Musik wiederfinden. So verwendete Mani Matter 1970 in seinem Lied „Dr Ferdinand isch gstorbe“ das Stadtberndeutsche Moudi – ein schönes Beispiel dafür, wie Dialekt nicht nur Alltagssprache, sondern auch kulturelles Gedächtnis prägt.

Katzen selbst kümmern solche sprachlichen Veränderungen wenig. Sie verbringen bis zu siebzig Prozent ihres Lebens mit Dösen oder Schlafen – das sind rund fünfzehn bis sechzehn Stunden pro Tag. Vielleicht liegt die Faszination für sie auch darin, dass sie gleichzeitig geheimnisvoll, unabhängig und zutraulich sein können. Und so bleibt der Maudi, egal wie man ihn nennt, in der Schweiz ein fester Bestandteil des Alltags und der Sprache.

Quelle: https://dialektatlas.ch/