Wie viel CO2 stösst das Speichern von Aufnahmen aus?

CO2-Fussabdruck Online Storage

Online-Speicher in Rechenzentren sind essenzieller Bestandteil der modernen digitalen Infrastruktur. Sie ermöglichen die Speicherung und den Zugriff auf immense Datenmengen rund um die Uhr. Trotz ihrer zunehmenden Bedeutung führt der Energieverbrauch von Rechenzentren zu erheblichen Umweltwirkungen, insbesondere im Hinblick auf den CO2-Fussabdruck. Die Schätzung der CO2-Emissionen pro gespeicherte Datenmenge ist daher zentral für eine nachhaltige Gestaltung von Cloud-Diensten und Speicherlösungen.

Eine Studie des Green Cloud Computing (GCC) Projekts, durchgeführt von Jens Gröger, Ran Liu (Öko-Institut e.V.) und Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM)[1], benennt erhebliche Schwankungen bei den CO2-Emissionen von vier untersuchten deutschen Rechenzentren. Diese liegen zwischen 166 kg CO2-Äquivalenten pro Terabyte (TB) und Jahr bis zu 280 kg CO2eq/TB. Der Durchschnitt beträgt dabei rund 208 kg CO2eq/TB und Jahr. Diese Variation zeigt, dass die Effizienz stark vom Rechenzentrumsstandort und der Infrastruktur abhängt.

[1] Jens Gröger, Ran Liu, Lutz Stobbe, Jan Druschke und Nikolai Richter, Green Cloud Computing: Lebenszyklusbasierte Datenerhebung zu Umweltwirkungen des Cloud Computing, Abschlussbericht, Öko-Institut e.V. und Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM), Berlin, Umweltbundesamt, 2021 (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/green-cloud-computing).

CO2-Fussabdruck bei Everyware

Die recapp IT AG speichert die Daten bei der Everyware AG in Zürich. Die konkreten CO2eq pro TB und Jahr sind nicht öffentlich, jedoch der Power Usage Effectiveness (PUE)-Wert von 1.4 [2]. PUE beschreibt das Verhältnis zwischen der insgesamt verbrauchten Energie (IT- und RZ-Infrastruktur) und der speziell für die IT verbrauchte Energie. Je weiter sich der Quotient 1 annähert, desto kleiner wird der Anteil der Infrastruktur am Gesamtstromverbrauch und umso energieeffizienter ist das Rechenzentrum, was deren Infrastruktur betrifft.

Die Studie „Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenzial“[3], nennt im Segment A (RZ-Dienstleister) PUE-Werte zwischen 1.2 und 1.5 (siehe Abbildung unten). Somit scheint die Annahme, dass Everyware hinsichtlich Energieeffizienz durchschnittlich ist und etwa 208 kg CO2 pro TB und Jahr ausstösst, realistisch. Umgerechnet ergibt sich daraus ein CO2-Ausstoss von ungefähr 203 Gramm pro GB und Jahr.

[2]  https://www.everyware.ch/de/datacenter-network/datacenter/uebersicht – konsultiert am 25.11.2025.
[3] TEP Energy GmbH und Hochschule Luzern, Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenzial, Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie, 2021. (https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/66075.pdf)

Berechnungsbeispiel

Um den Ausstoss für kleine Datenmengen greifbar zu machen, haben wir ein Beispiel herausgesucht. Ein einfacher Migros-Papiersack  verursacht rund 80–90 Gramm CO₂ bei der Herstellung [4]. Brechen wir nun die Zahlen für die Speicherung von Audiodaten herunter:

[4] https://www.neue-verpackung.de/markt/die-co2bilanz-von-papiersaecken-wird-immer-besser/2235298 – konsultiert am 13.01.2026
  1. Basiswert: Ein Gigabyte (GB) Speicherplatz verursacht pro Jahr etwa 203 Gramm CO₂.
  2. Dateigrösse: Eine Stunde Audioaufnahme (im ogg-Format) belegt etwa 80 MB Speicherplatz.
  3. Emission pro Stunde: Das Speichern von einer Stunde Audio verursacht somit jährlich etwa 15 Gramm CO₂.
  4. Das Resultat: Wenn Sie 6 Stunden Audio für ein Jahr speichern, ergibt das eine Belastung von 90 Gramm CO₂ (6×15=90).

Beim Verzicht auf einen Papiersack beim Einkaufen, kompensieren Sie das CO2 welches verursacht wird, um 6h Audio ein Jahr lang zu speichern.

Veranschaulichungen

Die 15 Gramm CO2 bei Audioaufnahmen lassen sich anschaulich für spezifische Anwendungen adaptieren: eine Stunde Video (SD-Qualität) zum Beispiel hat einen CO2 Ausstoss von rund 94 Gramm.

Über längere Zeiträume summieren sich diese Emissionen; bei 100 Stunden Videomaterial (entspricht etwa einem Jahr Sitzungen eines typischen Stadtparlamentes) über 10 Jahre entstehen dadurch circa 80 Kilogramm CO2 mehr als bei einer Audio-Aufnahme, was einer Autofahrt von rund 650 Kilometern [5] entspricht. Möchte ein Parlament vom 80 Personen den Mehrausstoss von Video (SD-Qualität) gegenüber Audio kompensieren, würde das bedeuten, dass jede Person jährlich etwa 825 Meter weniger Autofahren dürfte.

Mit einer Full-HD Auflösung, wäre der C02-Ausstoss pro Stunde Video etwa 228g pro Jahr Speicherung. Dies resultiert in 210 kg zusätzlichem CO2 über 10 Jahre. Das entspricht etwa 14 kg Rindfleisch[6]. Möchte ein Parlament vom 80 Personen den CO2 Mehrausstoss von Video (Full-HD-Qualität) gegenüber Audio kompensieren, müsste jede Person pro Jahr etwa 20 Gramm weniger Rindfleisch essen.

[5] https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/effizienz/mobilitaet/CO2-emissionsvorschriften-fuer-neufahrzeuge.html – konsultiert am 27.11.2025. Annahme 118g CO2/km
[6] https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/fleisch-und-milchprodukte – konsultiert am 27.11.2025. Für die Produktion eines Kilos Schweizer Rindfleisch werden – gemäss FAO im Jahr 2023 – etwa 15 Kilo CO2-Eq ausgestossen.